10.9.2015 Lindau (Bodensee) – Kurz nach 21 Uhr fuhr der erste von insgesamt fünf Bussen mit Flüchtlingen auf das Gelände des Schulzentrums in Lindenberg.

Dort wurden sie von 61 Helfern des Bayerischen Roten Kreuzes und sieben des Technischen Hilfswerks sowie von 22 Mitarbeitern des Landratsamtes, dem medizinischen Team und 25 Dolmetschern begrüßt.

Bis der letzte der 286 Flüchtlinge versorgt, medizinisch untersucht und registriert war, war es 4 Uhr in der Nacht. „Alle Helfer haben in der Nacht Großartiges geleistet“, lobt Landrat Elmar Stegmann, der selbst vor Ort war, den reibungslosen Ablauf. Es gab zu Beginn des Abends einige medizinische Notfälle, ansonsten verlief die Ankunft aber ruhig.

Über 90 % der Flüchtlinge stammen aus den Krisengebieten im Nahen Osten, der Großteil aus Syrien, gefolgt von Afghanistan, dem Irak und Pakistan. Einige Personen kommen aus Eritrea und eine kleine Handvoll aus eher ungewöhnlichen Herkunftsländern wie der Dominikanischen Republik.

Von der Regierung von Schwaben angekündigt waren ursprünglich 250 Menschen, schon nach einer ersten Zählung noch in den Bussen war offensichtlich, dass die vorbereiteten Betten in der Halle nicht ausreichen werden. Das Technische Hilfswerk hat daraufhin gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Stadt Lindenberg weitere Matratzen aus dem ehemaligen Feriendorf Bayernpark in Lindenberg geholt und in die Dreifachturnhalle gebracht. Bettzeug, Hygieneartikel und Nahrung war auch für mehr Personen ausreichend vorhanden.

„Es war vorher schon sehr eng, aber jetzt liegen die Flüchtlinge leider dicht an dicht“, so Christine Münzberg, Geschäftsbereichsleiterin Kommunales, Sicherheit und Ordnung am Landratsamt Lindau und zuständig für die Notfall-Erstunterbringung. „Trotzdem sind uns die Menschen sehr dankbar und freuen sich, endlich einmal zur Ruhe zu kommen.“ So war auch die Stimmung in der Halle: Während Nachzügler noch zu ihren Betten geführt wurden, hat trotz der Unruhe in der Halle ein Großteil der Flüchtlinge bereits fest geschlafen.

Unter den Flüchtlingen waren 39 Kinder und Jugendliche, davon 30 unbegleitete Minderjährige. Ob diese durch das Lindauer Jugendamt in Obhut genommen werden, ist derzeit noch nicht geklärt. So macht es wenig Sinn, Brüder aus Syrien hier in Obhut zu nehmen, die auf dem Weg zu ihrer Mutter nach Nordrhein-Westfalen sind.

Und noch einige medizinische Informationen: alle Flüchtlinge, die angekommen sind, wurden medizinisch untersucht.

Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes sowie die zusätzlichen Notärzte vor Ort hatten mit akut zu versorgenden Menschen mit leichteren Verletzungen alle Hände voll zu tun und auch das medizinische Team für die Erstuntersuchung hatte keine Verschnaufpause .

Zwei Personen mussten mit ernsten Erkrankungen ins Krankenhaus gebracht werden.

„Auch Personen mit schlimmsten Folterverletzungen waren unter den Flüchtlingen“, so Amtsarzt Michael Bauerdick.