29.8.2019. Wenn die Luft wieder klarer wird und die Sonne nicht mehr ganz so erbarmungslos brennt, beginnt für Bergfreunde die schönste Zeit des Jahres – die Wandersaison.

Neben der Bewegung sind es vor allem die Panoramen und Ausblicke in die Natur, die das Wandern so attraktiv machen. Dank der bevorzugten Lage am Rand der Allgäuer Alpen kann man in Oberstaufen nicht nur in ganz unterschiedlichen Höhenlagen wandern, sondern dabei auch noch wirklich spektakuläre Ausblicke von drei ganz unterschiedlichen Wanderwegen genießen, die zu Recht vom Deutschen Wanderinstitut mit dem Wandersiegel „Premiumwanderwege“ ausgezeichnet sind.

Ausblick I: über den Großen Alpsee, einen spektakulären Wasserfall und in einen Urwald

Den ersten fantastischen Ausblick hat man auf dem Premiumwanderweg „Wildes Wasser“ schon gleich zu Beginn: Von der Bergstation der Hündlebahn, wo die Tour startet, kann man weit in Richtung Nordosten über die grünen Hügel des Allgäuer Voralpenlandes schauen. Dazwischen liegt, nicht weit entfernt, der Große Alpsee. Und wer genau hinsieht, kann vielleicht sogar die Lädine, ein mittelalterliches Segelschiff erkennen. Der Premiumwanderweg führt auf seinen elf Kilometern auch über die Weißach, die sich an den Buchenegger Wasserfällen beeindruckend aus dem Felsen rund 18 Meter in die Tiefe stürzt. Der Wasserfall ist gut zugänglich, eignet sich an heißen Tagen für eine erfreuliche Abkühlung und bietet neben dem imposanten Anblick auch spannende Einblicke: in die Geschichte der Allgäuer Alpen nämlich.

Die Felsstufen sind aus dem typischen Gestein des Naturparks, dem sogenannten Nagelfluh. Schon an den Flusskieseln erkennt man den Aufbau dieses Gesteins: viele, vom Wasser abgerundete Steine, die über Jahrmillionen geradezu zusammen „gebacken“ wurden. An den Hängen der Weißachschlucht wächst einer der letzten Urwälder Deutschlands, das Naturwaldreservat Achrain – eine Mischung aus Weißtannen, Ahornbäumen, Buchen, Eiben, Mehlbeeren und Eschen, die sich im Herbst übrigens in den schönsten Farbtönen verfärben und damit einen weiteren spektakulären Ausblick bieten.

Ausblick II: bis zum Ulmer Münster, auf uralte Baumveteranen und über die Grenze nach Österreich

Über eine alpine Hochebene führt der Premiumwanderweg „Alpenfreiheit“. Der knapp 17 Kilometer lange Rundweg startet an der Bergstation der Imbergbahn. In aller Ruhe und Stille sind hier oben über die Jahrhunderte Ahornbäume, Bergulmen, Weißtannen, Ebereschen und einige mehr zu imposanten Riesen gewachsen. Ein wahrer Baumveteranen-Garten ist auf den Alpweiden entstanden. Einige Exemplare hat die Natur besonders bizarr wachsen lassen, wie etwa den sogenannten „hohlen Baum“. Er ist wohl rund 350 Jahre alt und hat einen Umfang von 6,5 Metern. Damit ist er der zweitstärkste Ahorn Deutschlands. Eine der Eiben ist vermutlich sogar rund 1.000 Jahre alt.

Ebenfalls uralt ist das Häderich-Moor, an dem man auf der „Alpenfreiheit“ vorbeikommt und das sich auf dem grenzüberschreitenden Wanderweg bereits auf österreichischer Seite befindet. Es ist eines der besterhaltenen Hochmoore in dieser Höhenlage. Wenige Gehminuten nach dem Moor gelangt man auf den Gipfel des Kojensteins, der auch noch zu Österreich gehört. Bei gutem Wetter können Wanderer von hier sogar das Ulmer Münster sehen, dessen gotischer Spitzturm mit seinen 161,5 Metern zwar der höchste Kirchturm der Welt ist, aber trotzdem immerhin gut 100 Kilometer vom Kojenstein entfernt liegt. Unterwegs lohnt sich übrigens immer eine Einkehr in eine der zahlreichen bewirtschafteten Alpen, wie zum Beispiel auf der Hörmoos Alpe. Die Kräuter aus dem bunten Garten vor der Alpe auf 1.300 Metern werden gleich nebenan in der höchstgelegenen Schnapsbrennerei des Allgäus verarbeitet.

Ausblick III: in die Schweiz zum Säntis, über Österreich zum Bodensee und bis in den Schwarzwald

Der „Luftige Grat“ ist der alpine und wohl anspruchvollste Weg unter den drei Premiumwanderwegen in Oberstaufen. Seinem Namen macht er alle Ehre: Auf den ersten Kilometern passiert man ein paar ausgesetzte, felsige, eben sehr „luftige“ Stellen und einige der höchsten Gipfel der Nagelfluhkette wie etwa den 1,704 Meter hohen Seelekopf. In den extremen Lebensbedingungen hier oben, wo beständig der Wind über den Grat fegt, überleben nur wenige Pflanzen. Eine davon ist die Silberwurz, eine ursprünglich arktische Pflanze, die nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren hier eine neue Heimat fand.

Kurz bevor der Weg den Grat verlässt, gibt es eine Aussichtsplattform, von der aus man einen wahrlich beeindruckenden Weitblick in Richtung Westen hat: Hinter den nahen Bergen des Bregenzerwaldes in Österreich erhebt sich das wuchtige Säntis-Massiv, das bereits in der Schweiz liegt. Etwas weiter nordwestlich ist der Bodensee zu erkennen mit den vielen Wein- und Obstgärten an seinem Ufer und schließlich folgt die sanft hügelige, grüne Voralpenlandschaft des Westallgäus und Oberschwabens. Bei besonders guter Sicht sind am Horizont sogar der Schwarzwald und die Schwäbische Alp zu erkennen. Wer lange genug in die Ferne geblickt hat, sollte auch einmal in den Himmel schauen. Denn hier in der Luft über der kargen Berglandschaft leben Alpendohlen, Kolkraben, Steinadler und Birkhühner. Der Alpine Premiumwanderweg „Luftiger Grat“ startet an der Bergstation der Hochgratbahn und führt über gut zehn Kilometer bis zur Bergstation der Imbergbahn.

Ausblick-Bonus:

Die Weitwander-Veranstaltung Fjällräven Classics findet im Mai 2020 auch in Oberstaufen statt

Das beliebte Weitwander-Event „Fjällräven Classics“ findet ab 2020 erstmals auch in Deutschland statt – in Oberstaufen. Bisher gab es die „Fjällräven Classics“ nur in Schweden, Dänemark, Korea, Hong Kong und den USA. Auf der dreitägigen Weitwanderung im Mai 2020 übernachten die Teilnehmer in Zelten und wandern tagsüber in einem Rundkurs über die Höhenzüge oberhalb des Alpsees bis Oberstaufen. Das Ziel dieser Veranstaltungsreihe der schwedischen Outdoormarke Fjällräven ist es, die Menschen zu ermutigen, raus in die Natur zu gehen und die Ruhe und Freiheit zu genießen. Wer an den „Fjällväven Classics“ teilnehmen möchte, kann sich vermutlich ab Mitte oder Ende Januar 2020 unter Fjällräven anmelden. Im Gegensatz zur Veranstaltung selbst ist bei der Anmeldung Schnelligkeit gefragt, denn die Plätze sind extrem begehrt.