22.9.2014 Landkreis Unterallgäu. Ein Notfall – Herzstillstand. Doch wie reagiert man richtig? Stabile Seitenlage, Herzdruckmassage oder Beatmung? In einem Notfall fühlen sich viele Bürger überfordert.

Die Mitarbeiter der Integrierten Leitstellen (ILS) in Bayern leiten nun Ersthelfer per Telefon an.

Der plötzliche Herztod ist in Deutschland laut Statistik mit etwa 150.000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen. Dabei trifft es nicht nur ältere oder bereits vorerkrankte Personen, es sind immer wieder auch jüngere und vermeintlich gesunde Menschen von diesem dramatischen Ereignis betroffen.

Eine der wirksamsten Waffen gegen den plötzlichen Herztod ist die möglichst sofort einsetzende Herzlungenwiederbelebung. Hierbei ist zu beachten, dass der Rettungsdienst in Bayern zwar gut organisiert ist, für die Anfahrt zum Notfallort dennoch durchschnittlich acht Minuten, in entlegenen Gebieten unter Umständen auch bis zu 15 Minuten und mehr benötigt. Wird in dieser Zeit keine Erste Hilfe geleistet, bedeutet dies den nahezu sicheren Tod des Betroffenen.

Leider wird in Deutschland noch immer zu wenig geholfen – in nur rund 20 Prozent der Fälle wird durch Laien Erste Hilfe geleistet. Um die Ersthelfer am Notfallort zu unterstützen, wurde auf Initiative und unter Federführung der Ärztlichen Leiter Rettungsdienst in Bayern ein bayernweit einheitliches Konzept zur Durchführung der telefonisch angeleiteten Wiederbelebung (Telefonreanimation, T-CPR) entwickelt, welches die Disponenten in der ILS unterstützt und ihnen die nötige Sicherheit in dieser belastenden Situation vermittelt.

Im Zeitraum zwischen Oktober 2013 und Februar 2014 wurde dieses Konzept im Auftrag der Landesgeschäftsstelle des Bayerischen Roten Kreuzes (Betreiberin ILS Donau-Iller) und des Zweckverbandes für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung Donau-Iller implementiert. Die notwendige Schulung des Leitstellenpersonals in Theorie und Praxis mit einem zeitlichen Umfang von rund 400 Stunden wurden durch den Ärztlichen Leiter Rettungsdienst Dr. Axel-J. Parsch sowie die Mitarbeiter der ILS Donau-Iller Jens Hagstotz und Wolfgang Maier durchgeführt. Im Anschluss konnte das Konzept im ersten Halbjahr 2014 erfolgreich in den täglichen Arbeitsablauf der Integrierten Leitstelle eingebunden werden. Besteht nun bei einer Notfallmeldung der Verdacht auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand, wird der Anrufer bereits am Telefon zur Ersten Hilfe ermutigt und bekommt von den Disponenten der ILS anhand eines speziellen Algorithmus gezielte Anweisungen zur Herzlungenwiederbelebung. Die Maßnahmen werden solange durchgeführt, bis Rettungsdienst und Notarzt am Notfallort eintreffen und die weitere Versorgung des Patienten übernehmen.

In den vergangenen drei Monaten wurden bereits einige Wiederbelebungen am Telefon eingeleitet und begleitet, was die Überlebenschance der Betroffenen in der Folge deutlich erhöht hat. So waren in mindestens einem Fall die ergriffenen Maßnahmen des angeleiteten Ersthelfers so effektiv, dass der Herz-Kreislauf-Stillstand ohne gesundheitliche Folgen überlebt werden konnte.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass durch Laien-Ersthelfer ergriffene Maßnahmen zur Wiederbelebung die Überlebenschance von Patienten nach einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand verdoppeln oder gar verdreifachen. Zwar sind beispielsweise Begleitverletzungen durch eine Herzdruckmassage durchaus möglich, diese sind in aller Regel jedoch vollkommen unerheblich und bleiben ohne weitere gesundheitliche Folgen für den Patienten. Ebenso unbegründet erscheint die Angst vor rechtlichen Folgen bei derartigen Ereignissen, da der nach bestem Wissen und Gewissen handelnde Ersthelfer hierfür nicht belangt werden kann. Falsch machen kann man also nichts – falsch ist nur, nichts zu unternehmen…