16.7.2015 Landkreis Unterallgäu. Die Bachmuschel und das Zierliche Wollgras sind vom Aussterben bedroht.

Im Falchengraben bei Erkheim gibt es die Bachmuschel noch, im Hundsmoor zwischen Ottobeuren und Westerheim findet man das Zierliche Wollgras. Der Landkreis Unterallgäu hat hier Flächen erworben, um den Lebensraum gefährdeter Arten zu schützen.

Insgesamt besitzt der Landkreis laut Konrad Schweiger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt rund 230 Hektar sogenannte naturschutzfachliche Eigentumsfläche. Dabei handelt es sich um große Teile der vier Unterallgäuer Naturschutzgebiete Hundsmoor, Kettershauser Ried, Benninger Ried und Pfaffenhauser Moos, aber auch um andere ökologisch wertvolle Grundstücke und Biotope.

Einen Teil davon besichtigten die Mitglieder des Naturschutzbeirats und des Umweltausschusses sowie deren Stellvertreter jetzt bei einer Exkursion. Im Rahmen einer Informationsfahrt vom Hundsmoor zum Falchengraben und vom Gutnachtal bei Oberrieden zum Pfaffenhauser Moos machten sie sich ein Bild davon, wie sich der Landkreis für den Erhalt der Artenvielfalt einsetzt.

Um die Pflege der Grundstücke kümmert sich der Landschaftspflegeverband Unterallgäu (LPV). Der Zustand des 20 Hektar großen Hundsmoors sei bei der Erstellung eines sogenannten Managementplans mit der bestmöglichen Note bewertet worden, betonte LPV-Geschäftsführer Jens Franke.

Zum Vergleich: Während auf einer herkömmlichen Wiese 15 verschiedene Pflanzenarten wachsen, sind es im Hundsmoor 235. Das Moor habe sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, blickte Franke zurück. So habe es früher nur noch rund 40 Exemplare des sogenannten Sumpfglanz-Stendels gegeben, jetzt gedeihe die seltene Orchidee mit rund 1000 Pflanzen wieder stärker. „Außerdem hat das Hundsmoor mit 10.000 Pflanzen den größten Bestand an Zierlichem Wollgras nördlich der Alpen.“

Eine ebenfalls große Bedeutung hat der Falchengraben bei Erkheim. Wie Franke erläuterte, lebt dort mit 10.000 Individuen eine der größten Bachmuschelpopulationen in Bayern. Während die Muschel früher weitverbreitet war und den Schweinen gefüttert wurde, steht sie heute unter Naturschutz. Das größte Problem ist laut Dr. Michael Schneider vom LPV sogenannter Sedimenteintrag, also Oberboden, der ins Gewässer eingeschwemmt wird. Lagert sich dieser als Schlamm auf dem Bachbett ab und dichtet den kiesigen Untergrund ab, bekommen die Muscheln weder Stauerstoff noch Nahrung. Sie ersticken oder verhungern. Um den Lebensraum der Bachmuschel zu schützen, habe der Kreis einen Pufferstreifen erworben und das Ufer umgestaltet, erklärte Landrat Hans-Joachim Weirather.

Bei Oberrieden bewirtschaftet der Landkreis 25 Hektar Biotopflächen. „Diese Flächen haben wir mit Eigenmitteln gekauft“, erläuterte Konrad Schweiger. Ein Großteil der naturschutzfachlichen Grundstücke sei aber auch mit Ausgleichsmitteln erworben worden – also mit Geldern, die für Eingriffe in die Natur wie etwa für das Aufstellen von Windrändern bezahlt werden müssen.

Letzte Station der Fahrt war das Pfaffenhauser Moos. Das mit rund 50 Hektar größte Naturschutzgebiet ist unter anderem Rückzugsraum für seltene Vogel- und Insektenarten. Zum Beispiel ist der Weißstorch hier Stammgast. Wie Uwe Kießling vom Allgäuer Streueprojekt sagte, sind die Streuwiesen im Pfaffenhauser Moos Lebensraum für viele gefährdete Arten. Darüber hinaus entstünden aus den Gräsern, Kräutern und anderen Pflanzen hervorragende Produkte für die Landwirtschaft – zum Beispiel Einstreu oder Pferdefutter.