14.6.2022 Lindau (Bodensee). Der Landschaftspflegeverband Lindau-Westallgäu e. V. stellt unter dem Motto „Draußen umgeschaut“ alle zwei Monate eine Tier- oder Pflanzenart in der lokalen Presse und auf den Internetseiten des LPV beim Landkreis Lindau (Bodensee) vor.

Nur noch selten kann man diesen großblütigen Korbblütler, die durch seine intensive warm gelbe Blütenfarbe ins Auge fällt, noch bei uns finden: den Orientalischen oder Großblütigen Bocksbart (Tragopogon orientalis). Viele sagen zu ihm Wiesen-Bocksbart.

Und tatsächlich gehört der Orientalische Bocksbart mit seinen sehr großen Blütenköpfen und schwarz gestreiften Staubblättern zur Artengruppe des Wiesen-Bocksbarts (Tragopogon pratensis agg.). Dieser Bocksbart kommt bei uns in Südbayern sehr viel häufiger vor, als der Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis). Seinen Namen verdankt der Bocksbart dem Aussehen seiner noch geschlossenen, aber reifen Blütenkopfe, die an den Bart eines Ziegenbocks erinnern sollen.

Der Orientalische Bocksbart ist eine der charakteristischen Pflanzen des extensiv genutzten Grünlandes. Er blüht je nach Lage von Mai bis in den Juli hinein und kommt in frischen Wiesen, an Straßen- und Wegrändern, aber auch in Flussauen vor.

Eine Besonderheit dieser Pflanze ist, dass sie ihre Blüten nur bis zum späten Vormittag geöffnet hält. Sie wird von Insekten aller Art wie Bienen, Faltern oder Schwebfliegen, bestäubt. Früher wurde der Bocksbart in der Küche genutzt: Seine Wurzel ist eine Rübe, die wie die der Schwarzwurzel, essbar ist. Junge Pflanzenteile wurden als Gemüse gegessen.

Im Landkreis Lindau war der Großblütige Bocksbart früher überall im Grünland zu finden. Heute kommt er nur mehr selten im Westallgäu vor. Die zwei- bis mehrjährige Art stirbt nach der Blüte und Samenbildung ab. Die Pflanze ist also darauf angewiesen, Samen für die nächste Generation verbreiten zu können. Im intensiv und vielschürig genutzten Grünland hat diese Art keine Möglichkeit mehr, Samen zu bilden, da die ersten Schnitte weit vor der Blüte des Bocksbarts erfolgen. Daher findet man diese Art nur mehr auf erst im Juni gemähten Heuwiesen. Der Orientalische Bocksbart wird mittlerweile auf der Vorwarnliste für bedrohte Pflanzenarten in Bayern geführt.
Bild vergrößern: Der Orientalische Bocksbart

Quellen/Literatur:

Jäger E. J. (2017): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland, 21. Auflage, Gefäßpflanzen Grundband, Springer-Verlag Berlin Heidelberg
Düll R. / Kutzelnigg H., (7. Korrigierte und erweiterte Auflage 2011) Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, QUELLE & MEYER Verlag Wiebelsheim
Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung, Bd. 2, IHW-Verlag, Eching
Botanischer Informationsknoten Bayern: https://daten.bayernflora.de/de/info_pflanzen.php?taxnr=6000#name=6000,yearGrouping=1,map=7.5/51.790/10.292

Text: Michaela Berghofer

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